03. September 2023

 

Rückblick: Als mich das Alienfieber packte

Liebe Terraner und Gäste!
 
Woher kommt das Interesse am Überirdischen, Außerirdischen und Unterirdischen? Wer hat das in die Gene gepflanzt? Jeder hat dazu sein persönliches Schlüsselerlebnis. Oft führt es zurück in frühe Kindheitstage. Jedenfalls bei mir weltraumbegeisterten Lauser war das so. Die Sehnsucht nach den Sternen, die Faszination am Unfassbaren und allerlei utopische Träumereien, weckten in den wilden 1970er-Jahren meine Kreativität und Neugier. Mit Erich von Dänikens Weltbestsellern um Besucher aus dem Kosmos, gab es dann kein entrinnen mehr: E.T. knallte total verrüsselt in meine Welt. Ich wurde ein unheilbares Opfer der damals weltweit grassierenden Pandemie „Dänikenitis“.
 
Den Göttern bin ich ewig dankbar dafür, dass es gegen diese verdächtigen „Spinnereien“ keine Impfung gab, auch wenn sich das mancher Schulmeister gewünscht hätte. Dass das Thema meinen beruflichen Werdegang dauerhaft und abendfüllend bestimmen würde, ahnte ich als Jungspund freilich nicht. Damals war ich gerade in der Lehre (besser gesagt: Leere) zum Landvermesser mit Chance zum „Halbkreisingenieur“ (Weanerisch: Hoib-gras-inschenjör). Es war die Zeit als ich noch bei meinen Eltern lebte, in einer Wiener Gemeindebau-Wohnung am Fuße des Wilhelminenberges. Damals hörte ich oft das Flehen meiner Mutter: „Rede mit dem Onkel Helmut, der bringt Dich bei der Post unter!“
 
vergeblich...
 
Bis ich allerdings den erlernten Beruf an den berühmte Nagel hängte, dauerte es noch Jahre. Erst 1987 hatte ich endlich Mut, sattelte allen Unkenrufen zum Trotz um, und machte mich als Strichmännchen-Zeichner mit Hang zum Übersinnlichen selbständig. Dabei ist es bis in meine alten Tage geblieben. Wenn ich etwas bereue, dann nur, dass ich nicht schon früher das Künstlerdasein wählte. Seither gelte ich zwar als verwahrlost, bin aber zufrieden und frei.
 
Im Frühjahr 2022 feierte mein Buckel 60 Lenze.  Das inspirierte meinen emsigen Homepages- und Facebook-Betreuer Mario Rank zu der Idee, das Jubiläum in einem „Nostalgie-Rückblick“ zu würdigen. Mein Einwand „Wem interessiert das?“, wurde abgeschmettert, und so entstand ein „Tatort der Kindheitserinnerungen“. Nichts Aufregendes, nichts Weltbewegendes, aber ein amüsanter Seitenblick, der zurückführt an jenen Ort, der mit meinen ersten Comics, den ersten literarischen Gehversuchen und den ersten Kontakten mit dem Ungeklärten verknüpft ist: eine grüne Hofanlage der Sandleitengasse in Wien Ottakring.
 
Genauer gesagt, dort:
 
 
 
 
Der kritische Seher wird feststellen, dass ich im Dreh mit langen Haaren und etwas mopsiger Gestalt in die Kamera grinse. Das Haarsträubende hat nichts mit meinem Messidasein zu tun, sondern mit dem Umstand, dass die Aufnahmen noch während der drakonischen Corona-Maßnahmen stattfanden. Ich hatte Glück und bin offenbar immun gegen das Killervirus. Wieso blieb ich während der schlimmsten Pandemie aller Zeiten kerngesund? Göttin Fortuna wird’s wissen. Sorgen machten mir andere Dinge: als aufmüpfiger Ungeimpfter, der für militante Gesundheitsapostel als querköpfiger „Staatsfeind“ denunziert wurde, durfte meinereins weder Restaurants noch Geschäfte betreten. Selbst der Frisör blieb mir verwehrt. Dies nur zur Erklärung, falls sich jemand über mein Äußeres mokiert.
 
 
Zu den Erinnerungen an meine Uranfänge passt auch ein kürzlich erschienenes Werk, das auf starken 360 Seiten die österreichische Sience Fiction-Fandom-Szene beleuchtet  - von den Uranfängen der 1950er-Jahre bis heute. Titel: Von Andromeda bis Utopia. Herausgeber: Alfred Vejchar, der als „Hyperfan“ seit Mitte der 1970er-Jahre die Geschicke der Science-Fiction-Gruppe-Wien (SFGW) leitet. In der Fangemeinschaft tummelten sich viele prominente Autoren, darunter etliche fantastische Freunde, die mir leider längst in andere Sphären vorausgegangen sind, darunter die Perry Rhodan-Autoren Walter Ernsting alias Clark Darlton, Ernst Vlcek, Andreas Findig, aber auch Mitflieger der Para- und Grenzwissenschaften, darunter die Phänomene-Detektive Viktor Farkas und Peter Krassa. Im Buch enthalten sind rare historische Fotos aus dieser sagenhaften Zeit, die auch meinen beruflichen Werdegang geprägt hat. Meine allerersten Vorträge vor Publikum, eher Schüleraufsätze, hielt ich vor SF- und UFO-Stammtischen.
 
Am Buchcover fliegt mein Comicheld Rüsselmops mit, der 1979 im Beisein Erich von Dänikens das Licht der Welt erblickte. Außerdem im Buch enthalten ist mein Beitrag über „Darlton, Däniken und UFOnauten“ mit amüsanten Anekdoten. Über ein Bild wundern sich manche Leser: Es zeigt den Hosenmatz Reinhard anno 1962 am Schoß seiner Mama und an der Seite mit Papa. Nostalgisch nett, aber was soll das? Das Bild war die Vorlage für ein späteres Pop-Art-Gemälde, wo Baby-Reini von mir scherzhaftz zum kleinen grünen Männchen umgestaltet wurde. Der Gag zündet nicht, da im Buch nur das originale Babybild mit Eltern abgebildet ist, nicht aber das „Meisterwerk“ im Andy Warhol-Stil. Im Jubi-Film von Mario Rank wird am Schluss die Metamorphose sichtbar .
 
Mehr zum gelungenen Zeitreise-Opus über die heimische Science-Fiction- und Fantasy-Fangemeinde hier:
 
 
 
 
 
Dazu passt noch etwas: Gestern hatte ich telefonischen Kontakt mit meinem Ex-Nachbarn aus Kindheitstagen. Wir haben uns seit 4 Jahrzehnten nicht mehr gesehen. Der Gute ist im Besitz meiner allerersten Comics und UFO-Schwurblereien, die Mitte der 1970er-Jahre als „Gemeinde-Hofzeitung“ in Miniauflage entstanden. Jede Ausgabe war bzw. ist ein Original. Erstaunlich, dass diese habeckschen Erstlingswerke über all die Jahre in Ehren gehalten und aufbewahrt wurden. Demnächst kommen die Unikate zurück zum Schöpfer. Mehr dazu, wenn die Zeit reif ist.
 
Machen wir’s inzwischen wie Stanislaw Jerzy Lec:
 
„Geh mit der Zeit, aber komme von Zeit zu Zeit zurück.“
 
Bis demnächst – ad astra!
 
REINHARD (Habeck)
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